Mutmacher Jan Bergner von der Youth Bank

©  startsocial, Thomas Effinger

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1. Wer seid ihr und was waren die Beweggründe für die Gründung eurer Initiative?

Youth Bank ist ein Modell zur Förderung von Jugendengagement, das seit 2004 erfolgreich jugendliche Ideen unterstützt und fördert. Junge Menschen bis 25 übernehmen in einer Youth Bank Verantwortung für ihre Stadt, indem sie Gleichaltrige motivieren und dabei unterstützen, gemeinnützige Projekte anzustoßen. Eine Youth Bank arbeitet wie eine kleine Stiftung vor Ort und bietet Beratung auf Augenhöhe sowie bis zu 400 Euro zur Umsetzung konkreter Ideen. So verändern Jugendliche ihre Stadt. Und sich selbst, denn sie lernen viele Dinge, die in der Schule oft zu kurz kommen: von Projektplanung, über verantwortungsvollen Umgang mit Geld, bis zu Teamwork. Gleichzeitig gewinnt Youth Bank junge Leute oft erstmals für ehrenamtliches Engagement – auch diese Erfahrung wirkt weit über das eigentliche Projekt hinaus.

Egal ob Theaterstück oder Schülerzeitung, Jugendliche übernehmen somit, unterstützt von Youth Bank, gezielt Verantwortung für ihr Lebensumfeld – am Ende sind wir daher doch eine Art Bank, denn wir investieren gewissermaßen in die Zukunft der Zivilgesellschaft.

Den Youth Bank Ansatz gibt es in mehr als 20 Ländern. In Deutschland lief Youth Bank als Stiftungsprojekt, welches aber wie bei fast allen Stiftungsprojekten zeitlich begrenzt war. Glücklicherweise gab es im deutschlandweiten Youth Bank Netzwerk viele engagierte Jugendliche, die alle ein ähnliches Gefühl hatten: Die Idee hinter Youth Bank ist so cool und griffig, sie kann nicht einfach so enden. Aus diesem Impuls heraus hat sich der komplett von Jugendlichen getragene Trägerverein Youth Bank Deutschland e.V. gegründet und 2010 das Stiftungsprogramm übernommen. Dass wir nun auf allen Ebenen des Programmes nach dem Prinzip „von Jugendlichen für Jugendliche“ arbeiten, ist dabei ein starker Identifikationspunkt. Und jedes einzelne der mehr als 1500 bisher geförderten Projekte motiviert uns für die Zukunft.

Unsere treibenden Beweggründe sind das Vertrauen darin, dass Jugendliche selbst erfolgreich Verantwortung für ihr Lebensumfeld übernehmen können und die Notwendigkeit, ihnen bei ihrem Weg in die Zivilgesellschaft niedrigschwellige Unterstützung anzubieten. Deshalb setzen wir auf peer-to-peer-Betreuung, unbürokratische Anträge und flache Hierarchien, um Jugendliche nachhaltig zu empowern.

2. Was konntet ihr erreichen, wo seid ihr auf Hindernisse gestoßen?

Der Erfolg von Youth Bank lässt sich zum Einen in Zahlen messen: In den 10 Jahren in Deutschland wurden mehr als 1500 jugendliche Projekte gefördert, gab es an 40 Standorten lokale Youth Banks, wurden rd. 20.000 Jugendliche erreicht – als Youth Banker*in, als Projektmachende, als Teilnehmende in geförderten Projekten.

Neben diesen Zahlen kann man den Erfolg von Youth Bank aber auch an anderen Punkten ablesen: An den vielen Projektteams, die das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt haben (Youth Bank hat eine Abrechnungsquote von über 90%); an den Impulsen und Qualifikationen im Rahmen des Youth Bank Engagements, was sich in den spannenden (Engagement)Lebensläufen vieler Youth Banker*innen ablesen lässt (Anfang Juni wurden zwei unserer ehemaligen Vorstände mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet); an den positiven Rückmeldungen von Projektmachenden, und an Projekten, die mal als „kleines“ Youth Bank Projekt angefangen haben und sich dann vergrößert und weiterentwickelt haben.

Einer der größten Erfolge seit dem Ende des Stiftungsprogrammes ist sicherlich, dass es Youth Bank überhaupt noch gibt. Da wir keine Strukturfinanzierung haben, müssen wir unsere Arbeit durch Projekte, die wir umsetzen, finanzieren – eine Folge ist, dass das bundesweite Netzwerk an lokalen Initiativen heute anders aussieht, als noch zu Stiftungszeiten. Als etabliertes Projekt bringen wir oft nicht die geforderte Innovation mit, die es für Förderungen braucht. Insofern ist eines der größten Hindernisse, dass die Förderstrukturen von staatlicher Seite stark begrenzt und von privater Seite sehr auf Förderung innovativer Projekte ausgelegt sind. Unsere Youth Bank Arbeit zumindest  mittelfristig zu sichern, ist jedes Jahr auf neue unsere größte Herausforderung.

Neben den finanziellen Hindernissen haben wir es auch oft mit Schranken im Kopf zu tun. Youth Bank ist ein sehr fordernder Ansatz: Fördergeld wird an Jugendliche gegeben, die dieses Geld dann – basierend auf einfachen Grundkriterien – selbstverantwortet an andere jugendliche Projekte weitergeben. Und diese Projekte sind meistens nicht an einen Verein oder mehrere Erwachsene angebunden, sondern werden oftmals primär von jungen Menschen angetrieben. Hier müssen wir oft Überzeugungsarbeit leisten, um den entsprechenden Vertrauensvorschuss zu erhalten. Genau der ist aber unserer Ansicht nach entscheidend, um selbstbestimmte und damit nachhaltige gesellschaftliche Partizipation zu erreichen.

3. Welchen Rat könnt ihr anderen geben?

Vertrauen als handlungsleitende Maxime kann manchmal einiges erschweren, sorgt aber für echtes empowerment und führt zu (Projekt)Ergebnissen, die einen immer wieder positiv überraschen. Dementsprechend können wir jede*n nur ermutigen, Vertrauen zu zeigen: als Erwachsener in junge Menschen und ihre Tatkraft; als Institution in die positive Schubkraft echter Gestaltungsspielräume; und als junger Mensch in die eigenen Ideen und deren Potenzial, Dinge verändern zu können.

4. Was muss sich ändern, damit Initiativen wie eure erfolgreicher sein können?

Der Bereich der informellen Bildung, in dem wir uns bewegen, hat auf finanzieller Ebene mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie oben erwähnt, sind langfristige Förderungen, welche bestehende Strukturen sichern und verstärken, sehr selten. Insbesondere für Projekte wie uns, die sich genau zwischen dem Stadium der frisch gegründeten Initiative und dem des fest etablierten und gut vernetzten Vereins befinden, kann das zur kritischen Hängepartie werden. Verstärkt wird das Ganze, wenn man seiner Zielgruppe immer auf Augenhöhe begegnen will und die jugendliche Zielgruppe aber primär von Fluktuation und Veränderungen im eigenen Lebensweg geprägt ist – langfristige Bindungen an ein Projekt und der Aufbau von Spenderpotenzialen oder institutioneller Interessensvermittlung sind da eher die Ausnahme denn die Regel.

Ändern müsste sich demnach vor allem die Logik innerhalb der Förderstrukturen – weg von einem zuweilen krampfhaften Projekt- und Innovationscharakter hin zu mehr Strukturförderungen. Es geht dabei weniger um ein (zwar auch richtiges) Mehr an Geldern, sondern in einem ersten Schritt primär um bessere Möglichkeiten, inhaltlich erfolgreiche Ansätze und Strukturen weiterzuführen.

5. Was erwartet ihr von unserer Initiative Demokratie Plus?

Den Begriff von und das Verständnis für Demokratie breit aufzufassen und somit den Blickwinkel auf diejenigen Elemente, welche die Scharniere unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens sind – Partizipation, Teilhabe und  Solidarität – zu erweitern.

 

Jan Bergner, 24, hat 2010 sein Freiwilliges Soziales Jahr beim Youth Bank Deutschland e.V. absolviert und die bundesweite Geschäftsstelle mit aufgebaut. Seit 2011 ist er Mitglied im ehrenamtlichen Vereinsvorstand.

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