Mutmacherin Martina Kroll von Studieren ohne Grenzen

  1. © Ralf Brauner

    © Ralf Brauner

    Wer seid ihr und was waren die Beweggründe für die Gründung eurer Initiative?

Studieren Ohne Grenzen (SOG) ist ein gemeinnütziger Verein, der Bildungsprojekte in Kriegs- und Krisenregionen realisiert. Wir haben uns das Ziel gesetzt, junge Menschen durch Bildungsförderung dabei zu unterstützen, selbstständig zum Wiederaufbau ihrer Region beizutragen. Wir vergeben Studienstipendien, engagieren uns im Bereich der ideellen Förderung, statten Bibliotheken und Computerräume vor Ort mit Fachliteratur und Technik aus. Auf diesem Weg versuchen wir, zu einer friedlichen Entwicklung beizutragen, denn Bildung ist für uns ein wesentlicher Schlüsselfaktor für Frieden.

Seit der Gründung des Vereins 2006 steht der Gedanke der studentischen Solidarität im Vordergrund. Wir, Studierende in Deutschland, setzen uns ehrenamtlich für Bildungschancen unserer Kommilitonen und Kommilitoninnen in Afghanistan, Tschetschenien, der DR Kongo und Sri Lanka ein. Der Grund liegt auf der Hand: Wir wissen, wie wertvoll Bildung ist und möchten im Rahmen unserer Möglichkeiten dazu beitragen, dass auch in solchen Regionen Menschen daran teilhaben können. Eine bessere Ausbildung unterstützt Menschen darin, ihr Umfeld friedlich gestalten zu können. Daher ist es gerade für Konfliktregionen wichtig, die Zivilgesellschaft durch Bildung zu stärken.

  1. Was konntet ihr erreichen, wo seid ihr auf Hindernisse gestoßen?

    Mitglieder von SOG im Mai 2015 in Karlsruhe, © SOG

    Mitglieder von SOG im Mai 2015 in Karlsruhe, © SOG

Unsere Projekte sind nicht immer ganz einfach umzusetzen – unsere Zielregionen sind von schweren Konflikten geprägt und das merken wir auch in unserer Projektarbeit. Wenn im Ostkongo bewaffnete Gruppen Leben, Infrastrukturen und ganze Dörfer zerstören oder auch, wenn wir nicht wissen, wie wir Stipendiengelder sicher und ohne Korruption zu den richtigen Empfängern bringen sollen, dann stellt uns das natürlich vor große Herausforderungen. Teilweise schlechte Infrastrukturen, logistische Schwierigkeiten und die Arbeit über die Distanz machen es nicht einfacher. Wir arbeiten deshalb immer mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Ohne sie geht es gar nicht, unsere Kontakte vor Ort machen das Ganze erst möglich!

Umso schöner ist es dann, Erfolge zu sehen. Alle unsere Stipendiaten und Stipendiatinnen setzen vor Ort ein eigenes soziales Projekt um. Sie sind Multiplikatoren, die einen größeren Impact in der lokalen Zivilgesellschaft haben! Regelmäßig erfahren wir, was sie nach ihrem Studium vor Ort bewegen – so baut einer ein Krankenhaus, eine andere gründet eine Frauenrechtsorganisation, der nächste gibt sein Wissen an Schulklassen weiter und die nächste koordiniert Jugendprojekte vor Ort. Diese Erfolgsgeschichten bewegen mich immer sehr. Man weiß sofort, dass das für die lokale Gemeinschaft viel verändert. Die Studierenden schreiben uns oft auch persönliche Nachrichten in den Jahresberichten oder im regelmäßigen Austausch – auch da merkt man, wie wertvoll die Arbeit ist.

  1. Welchen Rat könnt ihr anderen geben?

Sich ein Herzensthema herausnehmen und in diesem Bereich aktiver Gestalter oder aktive Gestalterin werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich einzubringen – jede und jeder findet jedoch andere Dinge relevant oder interessant. Und das ist okay so. Wir bringen alle unterschiedliche Hintergründe mit, wenn wir uns irgendwo engagieren.

In der NGO-Arbeit ist es oft schwierig, die richtige Balance zu finden zwischen einer gewissen optimistisch-getriebenen Ausdauer, ein Projekt trotz Niederlagen weiter zu verfolgen, und einem realistischen Blick auf die eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Das ist nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es, an Dingen zu arbeiten, die einen begeistern und von denen man annimmt, wirklich etwas bewegen zu können.

  1. Was muss sich ändern, damit Initiativen wie eure erfolgreicher sein können?

Aktive Partizipation könnte bereits in der Schule stärker in den Vordergrund gestellt werden. Viele junge Menschen sehen sich gar nicht als Gestaltende in ihrem Umfeld. Ein bisschen mehr Empowerment täte da gut. Dabei fängt es im Kleinen an, jede Person macht einen Unterschied.

Ich habe letztens auf einer Konferenz mit jungen Peacebuildern aus Libyen, Irak und Russland gesprochen – Regionen, in denen gesellschaftliches Engagement nicht immer uneingeschränkt möglich ist bzw. sogar erhebliche Probleme mit sich bringt. Selbst unter schwierigen Bedingungen bringen sie sich ein. Ich wünsche mir hierzulande ein bisschen mehr Begeisterung für die eigenen Gestaltungspotenziale. Wer sich selbst nicht aktiv einbringen möchte, kann dies auf anderen Wegen tun, beispielsweise indem er Initiativen oder Projekte unterstützt.

  1. Was erwartet ihr von unserer Initiative Demokratie Plus?

Demokratie lebt davon, dass sich Menschen einbringen. Dass sie mitreden und handeln. Mitmachen ist ein Wert an sich, den wir manchmal aus den Augen verlieren. Nicht jede und jeder kann und will sich überall einbringen, darum geht es auch nicht – aber bei den Themen, die einem wirklich am Herzen liegen, sollte jede und jeder mitgestalten. Wir vergeben unsere Chancen, die Gesellschaft zu verändern, wenn wir es nicht tun. Demokratie Plus thematisiert das und fordert uns alle auf, wieder mehr mitzumachen. Dafür wünsche ich euch viel Erfolg.

 

Martina Kroll, Vorsitzende Etudes Sans Frontières – Studieren Ohne Grenzen Deutschland e.V., studiert Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, 25 Jahre alt, aus Berlin

https://studieren-ohne-grenzen.org

 

 

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